 | Im erweiterten Sinn bedeutet es auch „Ort der Erweckung“ oder „Raum der Erleuchtung“ und deutet so darauf hin, dass das Dojo ebenso eine Stätte der Meditation und Konzentration ist, in dem der Geist des Budo gepflegt wird. In diesem Sinn kann jede Turnhalle und jeder Park, in dem ernsthaft geübt wird, ein Dojo sein. Jedoch wird ein besonderer Übungsraum, schlicht und nach der Tradition eingerichtet, der ausschließlich der Wegübung dient, eine intensivere Beziehung der Schüler und Lehrer zu ihrer Kampfkunst erlauben. Das „Shirasagi-Dojo Marburg“ existierte bereits viele Jahre in Turnhallen und manchmal auch im Botanischen Garten, bevor wir 2004 Räume in der Liebigstraße beziehen konnten. |
Erst seit wir uns dort unseren eigenen Ort der Wegübung geschaffen haben, ist uns bewusst, wie sehr ein würdevoller Raum unsere eigene Haltung beeinflusst und die Kraft, die den Übenden auf dem Weg hält, stärkt. Deswegen wird dieser Ort auch immer von allen Karateka in sauberem und ordentlichem Zustand erhalten. Im traditionellen Dojo nimmt die Wand gegenüber dem Eingang das „Shomen“ ein, der „Ort der Ehre“, an dem ein Bild des Stilgründers bzw. Bilder der Großmeister zu sehen sind. Betritt ein Karateka das Dojo, so verbeugt er sich zunächst vor dem Shomen, sie oder er lassen die Alltagshektik zurück und suchen Konzentration in der Stille. Jetzt wird nicht mehr geredet über das Gestern oder Morgen, sondern es gilt das Hier und Jetzt und die gemeinsame Übung. Alle Schüler tragen wie die Lehrer den weißen Karateanzug (Karate-Gi), sie unterscheiden sich äußerlich nur durch die Farbe des Gürtels (Obi), dem jedoch keine allzu große Bedeutung gegeben werden sollte. Die Kampfkünste entstammen einer langen Tradition, die auch heute ihren Ausdruck vor allem im Verhalten der Übenden finden soll. Die überlieferten Verhaltensregeln im Dojo (Dojokun) sind daher genau festgelegt und immer zu beachten. Zum Beispiel bezeugt die Begrüßung vor und die Verabschiedung nach der Übung Respekt vor der Tradition, den Lehrern und vor den Mitstreitern. Die dabei ausgeführte Verbeugung, das „Rei“, das auch am Anfang und Ende jeder Kata steht, erzieht uns zu Höflichkeit und zur Disziplinierung des Geistes. Das „Rei“, in der rechten Weise ausgeführt, bekundet auch den Willen, sich selbst zu überwinden und sein Bestes zu geben und ist insofern viel mehr, als ein einfacher Gruß. Es sind die traditionellen Werte der Achtung, der Demut, der Solidarität, die uns in der gemeinsamen Übung des Karatedo voranbringen und uns helfen, kleinlichen Egoismus zu überwinden. Unser Ziel ist schließlich nicht der schnelle äußere Erfolg, sondern Selbsterkenntnis. Der erste Kampf, den es zu gewinnen gilt, ist der gegen sich selbst |